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Malteser Bingen

Unser Standpunkt in Diskussion um assistierten Suizid

Hospizliche und palliativmedizinische Begleitung - die bessere Alternative zum assistierten Suizid

Gegenwärtig wird in unserer Gesellschaft sehr breit über die Situation der Menschen am Lebensende nachgedacht und diskutiert. Autonomie und Entscheidungsfreiheit unheilbar kranker Menschen, die Rolle und das Selbstverständnis der Ärzte, die Angst vor sinnloser Lebensverlängerung und langem Leiden, die Frage, ob so persönliche und individuelle Entscheidungen gesetzlich geregelt werden können und sollen - viele Fragen beschäftigen die Menschen.

Dass sowohl der Deutsche Bundestag sich am 13. November 2014 in der ersten von drei geplanten Debatten mit dem Thema Sterbebegleitung und Beihilfe zur Selbsttötung intensiv befasst hat und auch der Deutsche Ethikrat seine Sitzung vom 27. November 2014 diesen schwierigen Fragen gewidmet hat, spiegelt dies deutlich wider.

Auch die Hospizdienste verfolgen die Debatte mit großem Interesse. Wir sprachen darüber mit Frau Dr. Susanne Barner, der Vorsitzenden des Fördervereins des Malteser Hospizdienstes St. Hildegard, Bingen.

Frau Dr. Barner, als Vorsitzende des Fördervereins des Malteser Hospizdienstes Sankt Hildegard in Bingen engagieren Sie sich seit vielen Jahren für die  Sterbebegleitung. Wie sehen Sie die aktuelle Diskussion?
Ich bin froh, dass die Situation von Menschen am Lebensende so intensiv in den Blick genommen wird. In der Vergangenheit wurden Sterben und Tod in der Öffentlichkeit eher ausgeklammert, deswegen waren viele Betroffene  und ihre Angehörigen über die vielfältigen Möglichkeiten der Hilfe in der letzten Lebensphase  zu wenig oder nicht informiert. Es ist gut, wenn darüber nachgedacht  und gesprochen wird. Ich war sehr beeindruckt von der Ernsthaftigkeit  der Bundestagsdebatte und der persönlichen Betroffenheit, die aus vielen Redebeiträgen sprach.

Ist für Sie, ist für den Malteser Hospizdienst Sankt Hildegard neben der Begleitung sterbender Menschen auch die Hilfe zur Selbsttötung denkbar, wenn ein unheilbar Kranker Sie darum bittet?
Für den Malteser Hospizdienst St. Hildegard ist die liebevolle und an den persönlichen Bedürfnissen des sterbenden Menschen orientierte Begleitung bei bestmöglicher Schmerzbehandlung und Symptomkontrolle Auftrag und Ziel. Wir sind davon überzeugt, dass ein unheilbar kranker Mensch, der sich bestmöglich umsorgt und hospizlich und palliativmedizinisch betreut fühlt, der die Zuwendung bekommt, die er braucht, nicht um Beistand zur Selbsttötung bittet.

Haben manche unheilbar kranke Menschen nicht die Befürchtung, dass ihr Leben und Leiden durch medizinische Maßnahmen unnötig verlängert wird, dass sie nicht sterben dürfen?
Die Angst, künstlich und unnötig lange am Leben gehalten zu werden, muss sehr ernst genommen werden. Viele Menschen schreiben deshalb eine Patientenverfügung, in der sie festlegen, unter welchen Umständen sie lebenserhaltenden Maßnahmen wie z.B. Ernährungssonden, intensivmedizinische Maßnahmen oder Operationen nicht mehr zustimmen. Ärzte und Angehörige sind an diesen erklärten Patientenwillen gebunden. Das gibt Sicherheit, dass auch in der letzten Lebensphase Selbstbestimmung möglich ist. Der Malteser Hospizdienst St. Hildegard z.B. bietet regelmäßig Informationen zum Thema Patientenverfügung an.

Es gibt im Krankheitsverlauf einen Punkt, an dem keine Aussicht mehr besteht auf Heilung oder Besserung der lebensbedrohlichen Erkrankung, an dem Arzt und Patient auf weitere Therapieversuche mit kurativer Zielsetzung verzichten und palliativmedizinische Maßnahmen wie die Bekämpfung der Schmerzen und anderer oft quälender Symptome mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Sorge um eine möglichst gute Lebensqualität  und menschlicher Beistand ganz im Vordergrund stehen, damit der Patient das letzte Stück seines Weges selbstbestimmt und in Würde gehen kann. Dazu können ambulante und stationäre Hospizeinrichtungen einen wichtigen Beitrag leisten.

Was erwarten Sie von der breiten Debatte in der Gesellschaft? Eine gesetzliche Regelung des ärztlich assistierten Suizids?
Ein Recht auf Beihilfe zur Selbsttötung kann ich mir nicht vorstellen und als Ärztin widerstrebt mir der Gedanke, dass der Arzt, dessen Auftrag die Erhaltung des Lebens ist, nun helfen soll, das Leben zu beenden. Der Druck, den eine legalisierte ärztliche Suizidbeihilfe auf sterbenskranke Menschen und die Ärzte, die sie behandeln, ausüben könnte, macht mir Sorgen. Es ist vorstellbar, dass sich unheilbar Kranke dann zum assistierten Suizid gedrängt fühlen, um ihren Angehörigen, den Pflegenden oder der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen.  Ärzte könnten sich eventuell dem Anspruch des Sterbenskranken oder seiner Angehörigen auf Hilfe zur aktiven Beendigung des Leidens nicht entziehen. Selbst in der Schweiz ist der ärztlich assistierte Suizid nicht gesetzlich geregelt. Es ist sehr schwierig, so persönliche, nicht vergleichbare Einzelentscheidungen allgemeingültig zu fassen. Das gesetzliche Zulassen des ärztlich assistierten Suizids birgt so viele Gefahren, dass ich persönlich hoffe, dass es dazu nicht kommen wird.

Welche Wirkung wünschen Sie sich in der Gesellschaft?
Von der derzeitigen Diskussion erhoffe ich mir vor allen Dingen, dass sich die Haltung der Menschen dem Sterben und dem Sterbenden gegenüber ändert, dass es als selbstverständlich angesehen wird, dass Sterben ein Teil des Lebens ist, dass auch im persönlichen Bereich darüber gesprochen wird. Ich hoffe sehr, dass sie einen Impuls auslöst zum weiteren Ausbau ambulanter Hospizdienste, stationärer Hospize und palliativmedizinischer Einrichtungen und dass alle Menschen von diesem Angebot erfahren und es vertrauensvoll nutzen. Das Bekanntmachen des Hospizgedankens und der Hospizangebote, der Sterbe- und Trauerbegleitung, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben im Förderverein des Hospizdienstes. Von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass sie kranken, leidenden, behinderten Menschen die Sicherheit gibt, unbedingt erwünscht zu sein und ihr Dasein nicht rechtfertigen zu müssen.

Wichtig ist auch, dass sich noch mehr Menschen engagieren für die Hospizarbeit, denn Hospizarbeit wird im Wesentlichen von ehrenamtlich Tätigen geleistet, als bürgerschaftliches Engagement, als Dienst am Nächsten – sei es als Sterbebegleiter, als Trauerbegleiter, als Palliative Care- Fachkraft, als Mitglied im Förderverein, als Helfer für die wichtigen Aufgaben im Hintergrund. Hier sind wir als Glieder der Gesellschaft aufgefordert, Zeichen zu setzen.

Meine Bitte an all diejenigen, die dazu beitragen wollen, dass der bestmögliche menschliche und fachliche Beistand allen Menschen am Lebensende zur Verfügung steht:  Informieren Sie sich über die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, die Hospizarbeit zu unterstützen! Setzen Sie ein Zeichen der Mitmenschlichkeit!

 

 

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Kontakt

Malteser Hospizdienst St. Hildegard
Veronastrasse 14, Bingen
Tel. 06721/18588-131
(Mo-Fr, 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung)
hospizarbeit(at)malteser-bingen(dot)de

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